Kurs auf die Agrarwende nehmen

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Veränderungen in der Landwirtschaft fordert lautstark die alljährliche Demonstration "Wir haben Agrarindustrie satt!". Mit dem "Kursbuch Agrarwende 2050" legt Greenpeace einen Plan vor, wie die Landwirtschaft in Deutschland sich entwickeln kann und muss, um zukunftssicher zu sein und die Umwelt nicht zu belasten.

So wie der Großteil der Landwirtschaft in Deutschland heute läuft - ausgerichtet auf viel, schnelle und billige industrielle Produktion - kann es nicht weitergehen, wenn unser Wasser noch gesund sein soll, Landwirte mit kleineren Höfen von ihrer Arbeit leben können sollen und wir einen Anspruch an vertretbare Tierhaltung haben.

„Wir haben Agrarindustrie satt!“, stellten deshalb knapp 20.000 Menschen auf der diesjährigen Demonstration zur Grünen Woche in Berlin klar. Ein breites Bündnis aus Umweltschutz- und anderen Nichtregierungsorganisationen und Bäuerinnen und Bauern mit ihren Traktoren zieht jedes Jahr in einer lauten und bunten Kolonne Mitte Januar durch die Berliner Innenstadt, um Veränderungen in der Landwirtschaftspolitik zu fordern.

Wenn gegen Deutschland schon mehrere EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen der viel zu hohen Nitratbelastung des Grundwassers sowie Verstößen gegen die Wasserrahmen- und Luftreinhalterichtlinien laufen, müssen wir ganz klar die Massentierhaltung aufs Korn nehmen. Neben den schlechten Lebensbedingungen für die Tiere mit hohem Antibiotikaeinsatz und Platzmangel fällt dort eine enorme Menge Gülle an, die als Dünger auf die Felder ausgebracht wird und von dort aus Gewässer und das Grundwasser über die Grenzwerte hinaus mit Nitrat anreichert.

Doch es gibt Vorschläge und Visionen zur Lösung der Probleme rund um Nitrat, Tierwohl, Pestizideinsatz und Höfesterben: Stichwort Agrarwende. Eine Hinwendung zu ökologisierter konventioneller Landwirtschaft und einen Ökolandbau-Anteil von 30 Prozent bis 2050 sind möglich. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau hat im Auftrag von Greenpeace erarbeitet, welche Ziele in den nächsten Jahrzehnten erreicht werden können und welche Maßnahmen dafür nötig sind:

  • Im Kampf gegen den Klimawandel muss die Landwirtschaft ihre Treibhausgasemissionen senken, bis 2050 sollen sie durch weniger Düngung und Viehhaltung halbiert werden.
  • Die biologische Vielfalt, die unter Monokulturen und Pestiziden leidet, soll sich durch nachhaltigere Flächennutzung wieder erholen.
  • Wasser- und bodenbelastende Stoffe wie Stickstoff und Phosphor befänden sich in geschlossenen Kreisläufen, sodass u. a. die Nitratbelastung der Gewässer sinkt.
  • Beim Tierwohl wird angestrebt, bis 2050 alle Tiere artgerecht zu halten. Dafür soll es Verbote von kritischen Haltungsformen und eine TÜV-Prüfung für Ställe geben. Außerdem wird der Import von Kraftfutter (zum Beispiel aus südamerikanischer Soja) durch ausschließlich europäische und heimische Produktion abgelöst werden.
  • Schließlich ist auch die Verringerung des Fleischkonsums in Deutschland eine entscheidende Maßnahme. Zur Zeit sieht es nämlich so aus: Ein durchschnittlicher Deutsche verspeist in seinem Leben über 1.000 Tiere! Dies stellt der Fleischatlas 2013 dar, pro Jahr sind es der Agrarwende-Studie zufolge durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf. Bis 2050 kann diese Menge durch Ernährungsumstellung halbiert werden.

Weniger Fleischkonsum, weniger Lebensmittelverschwendung, weniger Fleischproduktion, artgerechte Tierhaltung, nachhaltigere Flächennutzung und weniger Agrochemie sind also die zentralen Koordinaten, an der die deutsche und europäische Landwirtschaftsentwicklung ausgerichtet werden muss, um damit den Kurs auf eine Agrarwende bis 2050 einzuschlagen.

 

Publikationen

Weiterführende Links

Vorstellung der Studie "Kursbuch Agrarwende 2050"
Der aktuelle Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung und weitere anschauliche Informationen
Wir haben es satt! - Demonstration Mobilisierungsvideo

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